45 LC Kurzwaffen Hülse 0.2 mm unrund

  • Hallo an die Kurzwaffen Spezialisten,

    ich lade gerade 45 Colt (LC) und stelle fest, dass die Hülsen nach dem Kalibriervorgang am Hülsenmund merklich unrund sind bzw. bleiben, insbesondere wenn sie schon vorher Abweichungen haben. Man könnte es mit "Shit in, shit out" beschreiben. Ich hätte eigentlich erwartet, dass auch unrunde Hülsen durch das Kalibrieren wieder rund werden.

    Der Hülsenmund weicht in extremen Fällen nach dem Kalibrieren im Durchmesser bis zu ±0.1 mm ab, schwankt also z. B. zwischen ca. 11.8 - 12 mm.

    Ich arbeite mit einer Dillon 550 mit orig. Dillon Matrizen. Die Flucht von Hülsenhalter und Matrize passt, das habe ich überprüft. Die Matrize ist auch i. O. Ein mehrfaches Kalibrieren mit Verdrehung verbessert das Ergebnis nicht signifikant. Der nachfolgende Schritt mit Aufweiter verbessert das Ergebnis minimal, jedoch ist der Rücksprung des Messings so groß, dass der Mund immernoch "eierig" ist.

    Aktuell habe ich ein Hülsenlos, was ich übernommen habe und daher kenne ich die Vorgeschichte nicht. Evtl. sind die Hülsen auch schon so stark gewalkt, dass sie immer wieder diese Form annehmen.

    Allerdings spuckt mein Rossi UHR auch recht unrunde Hülsen aus, da das Patronenlager recht weit ist. Ist wohl bei 45 LC aber oft so. Das Problem habe ich auch bei Hülsen, die ich erst 1x abgefeuert habe.

    Meine konkreten Fragen:

    Kennt Ihr das Phänomen?

    Was kann ich dagegen tun?

    Ich habe mal gelesen, dass man KW Hülsen eigentlich nicht glüht, um sie wieder weich zu bekommen. Stimmt das?

    Danke im Voraus für Eure Tipps.

  • Aktuell habe ich ein Hülsenlos, was ich übernommen habe und daher kenne ich die Vorgeschichte nicht

    Na dann würde ich es mit Glühen versuchen , ein paar Hülsen zum Testen .

    Weil Du ja die Vorgeschichte nicht kennst und uns berichten .


    erwin

    Alle Daten und Tipps ohne Garantie.
    Jeder Wiederlader handelt auf eigenes Risiko und Verantwortung .

  • Guten Morgen,

    wenn Deine Rossi die Hülsen so unrund hergibt, lidert da wohl erst mal nix. Aber der Druckaufbau macht Hülsen nicht automatisch unrund! Auch wenn Du nur schwache Ladungen schiesst, würde ich mal bei ein paar der Hülsen eine Full House Ladung ausprobieren. Danach prüfen, wie die Hülsen dann aussehen.

    Und Hülsen zu glühen, schadet auch bei Kurzwaffe nichts, gesetzt den Fall, dass diese eben nicht richtig lidern, bzw. schon beginnen, zu hart zu werden. Speziell, wenn Du die Vorgeschichte der Hülsen nicht kennst.

    Außerdem könntest Du Dir ja auch mal ein paar neue Hülsen besorgen und ausprobieren, was da raus kommt. Ich hab zwar keine .45er Rossi, aber bei meinen UHR kommen die Hülsen nie unrund raus! Hab ich von meinen Kameraden, die die Long Colt schiessen auch noch nie gehört oder gesehen. Allerdings schiessen die Miroku gefertigte Winchester 92 oder italienische Repliken. Und damit hab ich per se, hoffentlich nix Schlechtes über die Rossi im Allgemeinen gesagt!

    Freundliche Grüße aus München

    Lüftl

    Keinerlei Gewähr für Wiederladedaten. Jeder Wiederlader handelt nach dem Gesetz eigenverantwortlich usw. usw.

    Was immer ich hier schreibe gibt nur meine persönliche Meinung oder Erfahrung wieder. Ich erwarte gar nicht, dass jeder meiner Meinung ist, oder mit meinen Erfahrungen etwas anfangen kann.

  • Guten Abend in die Runde,

    danke für die Rückmeldungen. Hier der Zwischenstand:

    Glühen reduziert erwartungsgemäß die Rückverformung. Geglühte Hülsen weisen noch ±0.05 bis ±0.07 mm Unrundheit am Hülsenhals auf.

    Verdrehe ich die Hülse und kalibriere sie mehrfach, kann ich das nochmals halbieren.

    Der Aufweiter tut dann sein Übriges und die geglühten Hülsen sind verlässlich innerhalb ± 0.02 mm am Hülsenmund.

    Nun muss ich rausfinden, warum das nicht mit dem ersten Kalibrierhub gelingt, ggf. muss ich doch nochmal die Flucht von Kopfplatte zu Baseplate der 550 checken.

    Und ich habe jetzt ein neues Problem: ich habe kein Glühgerät...ok, andere Baustelle.

    Lüftl : das Problem habe/hatte ich sogar mit gekauften Hülsen, die ich selbst zum 1sten Mal abgeschossen habe. Was das Patronenlager angeht, ist die Rossi echt lausig. Schießen tut sie dennoch wirklich passabel. Aber Du hast schon Recht, es gibt durchaus bessere Alternativen.

  • Glühgeräte sind perfekt, aber eine Lötlampe tut es auch. Einfach mit einer Zange in die Flamme halten, drehen, bis 10 zählen und die Anlauffarbe beachten. Dann einfach abkühlen lassen. Bei sorgfältigem und gleichmäßigem Arbeiten bringt das gute Resultate.

  • Ich frag mich im Moment, wann die Hülsenhälse unrund werden!

    Wenn sie aus dem Patronenlager kommen?

    Wenn sie ausgeworfen werden?

    Wenn sie durch die Kalibriermatritze eiern?

    Wäre m. E. schon interessant, das mal rauszufinden! Dann könnte man wenigstens versuchen rauszufinden, wo man ansetzen muss.

    So wie ich mir das jetzt vorstelle, sollte doch die Kalibriermatritze eine unrunde Hülse wieder so herstellen, dass man damit weiterarbeiten kann! Bei meinen Dilllon Matrizen in 44 und 45 passiert das. Sogar bei den 45ern die mal unsanft aufkommen.

    Hast du mal die Kalibriermatritze auseinander genommen gereinigt und gemessen??

    Spätestens, wenn das Treibladungsmittel zugeführt wird, müsste der Hülsenhals ja wieder rund sein, weil durch den Powder Funnel ja auch aufgeweitet wird! Oder versteh ich da einfach was falsch? Kann ja auch sein!

    Ein paar Bilder könnten auch nicht schaden!

    Freundliche Grüße aus München

    Lüftl

    Keinerlei Gewähr für Wiederladedaten. Jeder Wiederlader handelt nach dem Gesetz eigenverantwortlich usw. usw.

    Was immer ich hier schreibe gibt nur meine persönliche Meinung oder Erfahrung wieder. Ich erwarte gar nicht, dass jeder meiner Meinung ist, oder mit meinen Erfahrungen etwas anfangen kann.

  • Ich bin noch nie auf die Idee gekommen bei KW Hülsen zu messen ob der Hülsenmund unrund ist oder den zu glühen, auch nicht bei meinen .460 S&W, .454 Casull oder .45 LC. :krat:

    Wozu auch, der Aufweiter drückt den Hals wieder rund wenn es nicht vorher in der Kalibriermatrize schon geschehen ist :nw:

    Zuführprobleme hatte ich bis jetzt auch noch keine mit .45 LC in meinem 1873er Uberti Carbine

    So einen Aufwand betreibe ich da nicht und mach auch keinen solchen Bohei drum, in der Zeit kann ich andere Sachen erledigen die sinvoller sind für mich

    Aber jeder so wie er mag, für mich kommt das nicht in Frage wenn die Hülsen mal kaputt sind gibts Neue :doppeld:

    Gott sei Dank ich bin a Frank 8)

    Wer einen Franken Bayer nennt, der besser um sein Leben rennt!

    Ladeempfehlungen ohne Gewähr, jeder Wiederlader handelt eigenverantwortlich :la:

    Servus :winke:

    Norbert

  • Kann ja jeder machen was er für Wichtig hält ABER die Frage ist doch:
    Welchen Unterschied macht das?
    Kurzwaffenkaliber, .45Colt, Rossi und UHR ist jetzt nicht die typische high precision longrange kombi und ein Scheunentor beim Westernschießen wird die unrunde Hülse auch hinbekommen.
    Ich habe evtl. etwas überlesen aber für mich klingt es wie "Mit Kanonen auf Spatzen schießen"

  • Hallo Zusammen!

    Lüftl: Die Hülsenmünder sind schon unrund nach dem Auswerfen. Der Ausziehvorgang selbst hat keinen Anteil daran, dass muss durch den Schuss entstehen. Die Matrize habe ich zerlegt und mit Innenmikrometer vermessen. Diese ist absolut in Ordnung.

    Da die ungeglühten Hülsen eine heftige Eigenspannug haben, gehen sie nachdem der Aufweiter des Funnels drin war, wieder komplett auf das unrunde Ausgangsmaß nach der Kalibirerung zurück. Auch sehr interessant, man könnte meinen es handelt sich um Federstahl...

    Aber du hattest ja geraten zu glühen und das hat auch sehr gut funktioniert, danke nochmal für den Schubser. Bisher hatte ich auch nie über das KW Hülsenglühen nachgedacht, werde ich wahrscheinlich auch nicht ernsthaft tun. Zange und Flamme ist mir zu umständlich und AMP etc. sind für diesen Zweck Wahnsinn.

    Benelli M3 : Messen musste ich das nicht, die Eiform des Hülsenmundes fällt mir bloßem Auge auf. Ich mache Dir nachher mal ein Foto. Wie gesagt, der Aufweiter bringt nix, das Material ist zu hart und geht wieder zurück. Die Hülsen sind übrigens von Remington und Olin (Winchester).

    Ob ich mir die Glüherei gebe, steht zu bezweifeln, da das Ding auch so gut trifft.

    Dian: Ich schrieb ja, dass die Waffe trotz allem mit der Munition gut schießt. "Gut" heißt, auf 50 m genauso gut, wie die Marktbegleiter. Habe gerade gestern einen Rundenkampftermin mit der höchsten Ringzahl aller Starter geschossen.

    Mich fordern halt Dinge heraus, die ich anders erwartet hätte und dem gehe ich dann gerne auf den Grund. Dieser ist für mich nun ziemlich klar ---> unerwartet hohe Eigenspannungen im Material. Der Glühversuch hat das ja eindeutig nachgewiesen.

  • Hier die Bilder.

    Links VOR Kalibirerung. Durchmesser 12.02 - 12.24 mm

    Rechts NACH Kalibrierung. Durchmesser 11.83 - 12.00 mm

    ...minimal "runder" also. Aber noch weit von dem entfernt, was ich mir durch eine "Kalibrierung" erhoffe.

    Was auffällt: VOR Kalibrierung habe ich die Hülse so ausgerichtet, dass sie von 9 nach 3 Uhr die schmale Stelle hatte. NACH der Kalibrierung liegt die schmalste Stelle auf der Linie von 10 nach 4 Uhr, obwohl ich die Hülse ziemlich in der gleichen Position fotografiert habe. :krat:

    IMG_2736.jpgIMG_2740.jpg

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