Wie Crimpen

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  • Hallo Zusammen,

    Frage. Ich taste mich langsam in die Richtung Revolver .357 Mag voran...
    Das Bedürfnis ist grad angekommen, fehlt nur noch Voreintrag und der Kauf...
    Aber egal...
    Es geht um Crimpen.
    Muß man eigentlich die Patrone mit der Kugel ohne Crimprille überhaupt crimpen?
    Ich spreche hier z.B. von Frontier oder LOS Geschossen.
    Muß das sein?
    Habe ein Bisschen mit Frontier 9mm Para rumexperimentiert und einen leichten Crimp eingesetzt, das Resultat war - die Kugel ist zerdrückt und die gesampe Patrone längt sich um bis zu 3/10.
    Das gleiche geschieht zu 100% auch bei .357 gehe ich aus...
    Was nun?

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von fatfrets ()

  • also du schmeist da einiges zusammen.....
    Die 9mm ist wie auch die 45Auto ein Hülsenhalsanlieger. Somit wird im Wesentlichen nur die Auftrichterung, die dem besseren Geschosssetzen dient zurückgedrückt. Bei den verkupferten LOS oder Frontier Geschossen muss diese Trichterung nur wenig sein, dementsprechend schonend ist das für die Hülse. Aber um einen gleichmäßigeren Auszugswiederstand zu erhalten und um dem Pulver einen guten Anfangsdruck zum Durchzünden zu geben, soo kann der Hülsenhals ein klein wenig mit einem Tapercrimpp festgesetzt werden. Das betrifft aber nur die alleroberste Halskante. Solltest du an einem ausgezogenen Geschoss nicht nur eine feine umlaufende Rille sehen, sondern einen Bereich der untermaßig ist, so verlierst du an Führungsfläche und somit Präzision. Außerdem kann es zu Funktionsstörungen der Mun kommen, da der stark gecrimpte Hülsenhals keine korrekte Anlage im Patronenlager findet.

    So bei der zylindrischen Revolverpatrone ist das anders. Hier hat die Hülse am Boden einen Rand, mit der sie in der Trommel anliegt. Der Hülsenhals kann somit stark gecrimt werden, ohne Funktionsstörungen zu verursachen. Bei einer Pussy-load, neudeutsch Mädchenladung, kann auch hier auf den Crimp verzichtet werden. Aber bei starken Ladungen mit progressiven Magnumpulvern ist ein deutlich wirksamer Crimp notwendig. Hier wird meist ein Roll- oder sogar Profilcrimp verwendet. Der Crimp setzt das Geschoss fest, damit es durch heftigen Recoil nicht in der Hülse wandert, ganz besonders beim Röhrenmagazin des Unterheblers. Außerdem verhindert er, daß das Geschoss nicht zu früh in den Konus wandern, und den Pulverraum zu früh vergrößert. Nur so kann Magnumpulver definiert und somit gleichmäßig deflagrieren.
    ... laborierst du noch oder schiesst du schon? [img]http://www.smileygarden.de/smilie/Games/para.gif[/img]
  • dieselfalk schrieb:

    Bei einer Pussy-load, neudeutsch Mädchenladung...
    Kannst du bitte hier ein Paar Beispiele reinschreiben, damit ich sie visuel angucken und vergleichen kann. Einfach wie sich die Beiden von einander untersheiden.
  • Mit der Profil Crimp-Matrize von Redding lassen sich, genau wie bei der Lee Factory Crimp
    Matrize, durch richtiges Dosieren (ca. 1/8 Umdrehungs-Schritte) sowohl ein Friction-, Taper-, Roll- als auch
    ein Profil-Crimp einstellen. Beim Profil-Crimp wird der Hülsenmund auf ca. 1 mm Länge als Fläche in die
    Crimprille gedrückt. Diese formschlüssige Stufe baut abgesehen vom Einkleben, den größtmöglichen
    Ausziehwiderstand auf. Dieser hohe Ausziehwiderstand sorgt außer für einen stabilen Gasdruckaufbau
    auch dafür, daß sich Geschosse bei starken Ladungen aus leichten Waffen nicht selbst delaborieren. Bitte
    beachten Sie, daß auf die Crimp-Stufe in der Redding-Matrize ca. alle 50-100 Patronen etwas Hülsenfett
    aufgetragen wird.

    Quelle: Visier Magazin
  • BrainBug schrieb:


    Beim Profil-Crimp wird der Hülsenmund auf ca. 1 mm Länge als Fläche in die
    Crimprille gedrückt.
    Ist das etwa das hier?
    Bilder
    • DSC_5175.jpg

      19,37 kB, 376×376, 9 mal angesehen
  • BrainBug schrieb:

    Mit der Profil Crimp-Matrize von Redding lassen sich, genau wie bei der Lee Factory Crimp
    Matrize, durch richtiges Dosieren (ca. 1/8 Umdrehungs-Schritte) sowohl ein Friction-, Taper-, Roll- als auch
    ein Profil-Crimp einstellen.
    Nochmal zum Vergleich:
    v.l.n.r.
    Roll-Crimp
    Taper-Crimp
    Profil-Crimp

    Korrekt?
    Bilder
    • gsmith_080615_6298.jpg

      103,25 kB, 500×445, 19 mal angesehen
  • fatfrets schrieb:

    BrainBug schrieb:

    Mit der Profil Crimp-Matrize von Redding lassen sich, genau wie bei der Lee Factory Crimp
    Matrize, durch richtiges Dosieren (ca. 1/8 Umdrehungs-Schritte) sowohl ein Friction-, Taper-, Roll- als auch
    ein Profil-Crimp einstellen.
    Nochmal zum Vergleich:v.l.n.r.
    Roll-Crimp
    Taper-Crimp
    Profil-Crimp

    Korrekt?
    Auch wenn ich das links und rechts nicht genau erkennen kann, würde ich sagen, die von dir genannte Reihenfolge ist zutreffend. Ein Profil Crimp wird oft einfach nur als stärkerer Roll Crimp bezeichnet (ob nun korrekt oder nicht, s. Beschreibung Redding z.B.).

    Die Matrize findest du z.B. hier (.357): Link: Redding Profile Crimo, .357

    oder bei Grauwolf.

    Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von BrainBug ()

  • Der Krimp bei Pistolenpatronen

    Seit Jahren begleitet mich folgende Frage: Welcher Krimp ist richtig für meine Patronen im Kaliber .38 Super? Im Kreise der Schützengemeinde IPSC habe ich schon viele verschiedenen Meinungen gehört und diverse Beispiele begutachtet.
    Die Meinungen gingen vom übermäßigen, einschneidenden Rollkrimp, welcher nach Aussage des Inhabers einige Zehntel Grains an Pulver sparen soll, bis hin zu solchen, die dem Krimp keine weitere Beachtung schenken. Jeder hat da seine „Expertenmeinung“.
    Folgende Faktoren sind für mich wichtig:
    1. Zufuhrsicherheit beim Ladevorgang der Pistole
    2. Präzision (Schussbild)
    3. Gleichmäßiger Auszugswiderstand (Druckverlauf, Geschwindigkeit)
    Um die Zufuhrsicherheit zu gewährleisten lege ich den Hülsenmund ganz leicht an das Geschoss an. Da ich eine zylindrische Hülse verwende, kann mit einem Haarwinkel oder einem Lineal der Krimp gut visuell nachvollzogen werden. Als Kontrolle delaboriere ich jeweils eine Patrone und begutachte das Geschoss, es sollten fast keine Spuren bemerk-bar sein.
    Bei zu fest gekrimpten Patronen, bei denen der Hülsenmund regelrecht in das Geschoss eingeschnitten wird, habe ich eine schlechtere Präzision festgestellt. Zudem habe ich bemerkt, dass sich der Ausziehwiderstand merklich verringert hat und das Geschoss zum Teil sogar von Hand gedreht werden konnte.
    Anlässlich der Testphase RS24 im Sommer 2013 konnte ich verschiedene Tests in den Schiesskanälen in Wimmis mitverfolgen. Sehr praktisch war hier die Maschine zum Ge-schossziehen, welche zugleich den Auszugswiderstand messen kann.
    Erstaunlich war, dass die Patronen mit einem „Rollkrimp“, also den Hülsenmund in das Geschoss eingeschnitten, den geringsten Auszugswiderstand hatten. Patronen, die den Hülsenmund nur leicht angelegt haben und das Geschoss auf der ganzen zylindrischen Länge von der Hülse gehalten wird, hatten den größten Widerstand. Zudem war die Ge-schwindigkeit am regelmäßigsten.
    Wichtig für zuverlässige Wettkampfpatronen ist, dass man immer die gleiche Hülsensorte verwendet. Die Wandstärken können je nach Hersteller stark variieren und somit den Krimp beeinflussen. Mein Fazit: Statt einem starken Krimp bevorzuge ich eine Große Kontaktfläche Hülsenmund / Geschoss und erreiche so die notwendige Funktion.


    Quelle RS Forschung und Entwicklung.
  • Ein Rollcrimp ist bei Pistolenpatronen nicht ratsam, weil diese Waffenart mit wenigen Ausnahmen mit sogenannten "Rand oder Hülsenmundanliegern" arbeitet. Das heißt, die Hülse stützt sich am Hülsenmundrand ab, im Gegensatz zur Randpatrone, wo das der Bodenrand übernimmt. Es gibt natürlich Ausnahmen, z.B. Desert Eagle, 32 S&W Long (32WC) oder umgekehrt Revolver mit Wechseltrommeln 9 Para oder 45 ACP und ähnliche oder es wird mit Clips gearbeitet.
    Bei Randanliegern ist ein Taper Crimp eigentlich unumgänglich. Wird der Hülsenrand nicht leicht eingezogen, führt das unweigerlich zu Zuführstörungen. Will man es genau machen, sollten die Hülsen auf gleiche Länge getrimmt sein, nur so kann man einen gleichmäßigen Ausziehwiderstand erreichen und somit sichere Funktion und gute Präzision. Ein längerer praktischer Test ist äußerst ratsam. Die 10 Schuss Hopplahopptester, die sonntagmorgens mal schnell was "testen", sind hier fehl am Platze. Wenn möglich sollte ein gleiches Hülsenlos zum Einsatz kommen.
    Um einen guten Druckaufbau zu erhalten, sollte man Revolverpatronen, d.h. alles was aus Trommeln verschossen wird, wenn machbar einen Rollcrimp verpassen. Wie hier schon angemerkt, sind dabei unter Umständen die Ausziehwiderstände geringer als wenn die Hülse nur angelegt oder getapert wird. Da kann aber der Rollcrimp nichts dafür. Wird ein Rollcrimp zu stark angebracht, d.h. das Geschossmaterial bietet dem nach innen gedrückten Messing einen zu hohen Wiederstand, geht der restliche Druck auf die Hülsenwandung. Diese wird gestaucht und das Geschoss wird nur noch im Crimp gehalten, bei schlechtem Hülsenmaterial lässt sich das Geschoss unter Umständen im Crimp drehen. Bei TM Geschossen ist die Gefahr des lockeren Sitzes noch größer, denn TM geben im Gegensatz zu Bleigeschossen im Material nicht nach. Alternativ dazu wäre ein Profil Crimp machbar. Dieser erzeugt einen halbrunden Eindruck in der Crimprille.
    Inwiefern ein fester oder leichter Crimp nötig ist, ist abhängig von der Pulversorte (offensiv (degressiv)-progressiv) der Leistung (Joule) dem Hülsenmaterial und dem Geschossgewicht bzw. der Geschosssetztiefe. Bei schweren Geschossen und deren großer Setztiefe wird eine größere Kraftschlüssigkeit (fester Geschosssitz) als bei leichten Pfefferminzpillen, die nur ein paar mm in der Hülse sitzen, erreicht. Die schweren Geschosse haben natürlich wegen ihrer Masse mehr den Drang (bei Offensivpulvern) die Hülse beim Schuss zu verlassen als Leichtgewichte (Masseträgheit). Formeln dazu gibt es nicht. Einfacher Versuch: Man lädt den Revolver mit sechs Schuss, gibt 5 Schuss ab und misst den sechsten Schuss nach, ob die Kugel ausgewandert ist. Im schlimmsten Fall wird vorher schon die Trommel blockiert, dann weiß man ganz schnell, dass man zu wenig gekrimpt hat oder die Hülsen, die man bei einem windigen Händler in den Suks von Tunis preiswert gehandelt hat, nichts taugen.
    Bei Patronen wie 38 WC oder 32 WC ist ein Crimp der Präzision abträglich. Es ist sogar von Vorteil, das Geschoss leicht in die Hülse zu versenken und den Hülsenrand leicht offen stehen zu lassen. Bei Sportpistolen in 32 und 38 geht das nicht, das führt zu Zuführstörungen. Hülse gerade anlegen oder leicht tapern und Hülsenrand außen gut entgraten. Das äußerliche Entgraten der Hülsen bei Automatics ist auch sehr hilfreich um Zuführstörungen zu vermeiden, besonders wenn man sich keine Störungen leisten kann.
    Revolver-Bleigeschosse haben manchmal in Richtung Geschossboden sehr flache Crimplillen. Hier kann man wunderbar einen Tapercrimp anbringen was die Schönheitswiederlader in Verzückung versetzt, denn es sieht richtig gut aus und gut schießen tut es auch noch.
    Eine weitere Möglichkeit ist das Versenken des Geschosses in der Hülse (etwa 0,5 bis 1mm) und einen Rollcrimp ins Leere anzubringen. Das geht aber nur mit Geschossen, die einen Scharf- oder Stanzrand haben. Speedloader mögen das auch sehr gerne, die Pätrönskens flutschen dann prima prima in die Trommeln. Natürlich muss durch das Tiefersetzen der Pille die Pulverladung entsprechend angepasst werden. Es hat aber nur Vorteile, die Verbrennung ist deutlich besser und die Krümelmonster haben wenig Chancen. Diese Patronen brachten bei Ransom Tests die besten Schussgruppen.
    Fazit: Sogenannte Psychophatenladungen brauchen gutes Hülsenmaterial und einen festen Crimp. Bei Kindergeburtstagsmunition und Diätlaborierungenreicht das Randanlegen oder ein feiner Tapercrimp.
    Zu feste Crimps sind oft die Ursache für klemmende Flaschenhals Munition bei Rifles. Der überschüssige Druck beult die Hülsenschulter auf. Sehr anfällig für sowas sind Hülsen mit flacher Schulter, 30-30 Win, 44-40 Win, 38-40 Win, 30-40 Krag und ähnliche.
    Haben die Hülsen eine Rändelung, kann es passieren, dass sie am Rändel seitlich einknicken. Bei Pressen wie der RCBS Rock Chucker und ähnlichen merkt man das beim Geschosssetzen nicht. Lässt man einen kanadischen Holzfäller mit Händen wie Bratpfannen an der Presse arbeiten, ist es ganz aus.
    Die immer mehr beliebten "Factory" Crimps sollten nur zur Anwendung kommen, wenn absolute Funktion gefordert wird (IPSC, CAS). Für Präzisionsschützen ist so etwas strikt abzulehnen. Der Factory Crimp bügelt das relativ weiche Blei, CU, Plaste oder Lackgeschoss in der Hülse auf Untermaß, was zu Gasschlupf führt und damit zu schlechter Präzision.
    Kleiner Höhlentrick: Wenn Geschosse in billigem Hülsenmaterial nicht halten, benutzt man den Hülsenaufweiter des 9 Para Matritzensatzes, falls man einen hat. Bei den Dillons braucht man nur den Pulverfunnel zu wechseln, der ja gleichzeitig Aufweiter ist. Aufweiter ist auch nicht gleich Aufweiter, da gibt es auch gewisse Unterschiede.
    Zu guter Letzt "Die Wahrheit zeigt immer die Scheibe"

    Quelle RS